Wie war Trump möglich? Soziale Ungleichheit und politische Polarisierung in den USA

Die Vereinigten Staaten von Amerika sind in vieler Hinsicht ein erfolgreiches Land. Dennoch konnte 2016 ein zorniger Rechtspopulist zum Präsidenten gewählt werden. In einem von Skandalen begleiteten Wahlkampf setzte sich Donald Trump gegen die politisch erfahrene, aber unbeliebte Kandidatin der Demokratischen Partei, Hillary Clinton, durch. Seither blicken wir staunend auf den 45. Präsidenten der USA, der die Welt mit morgendlichen Tweets derart in Atem hält, dass manche an seiner geistigen Gesundheit zweifeln. Zeitungen wie die Washington Post berichten über die zahlreichen Halbwahrheiten und platten Lügen, die Trump und seine Vertrauten von sich geben. „Alternative Fakten“ sind zu einem geflügelten Wort geworden. In schneller Folge erscheinen Bücher, die über neue Eskapaden im Weißen Haus berichten. Doch so wichtig die Auseinandersetzung mit aktuellen Ereignissen ist, verdeckt sie leicht die grundlegende Frage, welche langfristigen gesellschaftlichen Veränderungen den Wahlsieg Donald Trumps möglich gemacht haben. Um zu verstehen, warum ein narzisstischer Immobilienmogul Präsident der Vereinigten Staaten werden konnte, reicht eine kurzfristige, zwischen Erschrecken und Faszination schwankende Betrachtung nicht aus. Die Ursachen reichen weit zurück und liegen in der doppelten Spaltung der amerikanischen Gesellschaft: Weder ist die Spaltung zwischen weißen und nicht weißen Amerikaner/innen überwunden noch die zwischen Arm und Reich.

In diesem Buchprojekt gehe ich langfristigen Trends nach, die am Ende die Wahl Donald Trumps möglich gemacht haben. Die politischen Institutionen der USA werden zunehmend dysfunktional, weil sie nicht für eine sozial und politisch polarisierte Gesellschaft erdacht wurde. Die Konsensanforderungen sind hoch, doch die Konsensbereitschaft denkbar niedrig. Um Trends und aktuelle Entwicklungen in den Vereinigten Staaten einordnen zu können, vergleiche ich die dortige Situation mit der in 24 anderen reichen Demokratien. Diese Länder sind Australien, Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Island, Israel, Italien, Japan, Kanada, Korea, Luxemburg, Niederlande, Norwegen, Österreich, Portugal, Schweden, Spanien und die Schweiz.